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Äthiopien: Den Menschen Heimat geben

Äthiopien: Den Menschen Heimat geben
Äthiopien: Den Menschen Heimat geben

„Gott ist uns Zuflucht und Stärke” (Ps 46) lautet das Bibelzitat zum Weltmissionssonntag 2018

Mit einer Bevölkerungszahl von rund 100 Millionen ist das Land nach Nigeria der bevölkerungsreichste Staat des Kontinents. Seine Bewohner gehören mehr als 80 ethnischen Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen an.

Bis heute ist das Bild des Westens von Äthiopien von der verheerenden Hungersnot Anfang der 1980er Jahre bestimmt, bei der eine Million Menschen starben. Doch im Jahr 2000 leitete die äthiopische Regierung Reformen ein, holte Investoren ins Land, baute das Straßennetz aus, investierte in Bildung und Energie. Die Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahrzehnt rasant.

Obwohl Äthiopien der größte Kaffeeexporteur Afrikas ist und der Tourismus eine zunehmend wichtige Rolle spielt, gehört Äthiopien noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Von der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt ein Großteil der Bevölkerung abgeschnitten. Die meisten Äthiopier betreiben als Kleinbauern und Selbstversorger Landwirtschaft.

 

Urchristliches Erbe

Äthiopien ist eines der frühesten christlich geprägten Länder der Welt. Stolz sind die Bewohner auf ihr urchristliches Erbe. Fest glauben sie daran, im Besitz der Bundeslade zu sein. 44 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zur äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, 33 Prozent zum Islam. Obwohl die Katholiken mit 0,7 Prozent nur eine kleine Gruppe bilden, findet die Kirche viel Anerkennung für ihren großen Einsatz im sozial-karitativen Bereich, im Schulwesen und in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit.

Nach Uganda ist Äthiopien das größte Aufnahmeland für Flüchtlinge in Afrika. Mehr als 900.000 Flüchtlinge sind registriert, vor allem aus den Krisenländern Südsudan, Somalia und Eritrea.

Umgeben von zerfallenden Staaten gilt Äthiopien im Westen als Stabilitätsfaktor. Doch unter der Oberfläche des Vielvölkerstaates, der seit 26 Jahren von derselben Parteienkoalition autoritär regiert wird, brodelt es. In den letzten drei Jahren entluden sich die Spannungen in gewaltsamen Unruhen mit vielen hundert Toten. Die beiden größten Volksgruppen des Landes, die Oromo und die Amhara, fühlen sich ausgegrenzt. Erst die Ernennung eines neuen Regierungschefs aus der größten Volksgruppe der Oromo im April 2018 lässt viele Äthiopier auf eine Öffnung des Landes und mehr Freiheit hoffen.

(Bettina Tiburzy, missio Aachen)