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Gesundheit" Bildung" Hoffnung

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LIMBURG/AACHEN. Am Sonntag, 25. Oktober, feiert missio den "Sonntag der Weltmission". Mit einer weltweiten Kollekte unterstützt das Missionswerk die ärmsten Diözesen der Welt. In diesem Jahr ist das Beispielland Tansania. Jacqueline Schlesinger, missio-Diözesanreferentin des Bistums Limburg, hat als Gäste Pater Aniceth Mosha und Schwester Eugenia Thomas eingeladen. Beide stammen aus Tansania, sind aber bereits mehrere Jahre in Deutschland für das Bistum Limburg tätig und begleiten mit ihren Gemeinschaften Projekte in Tansania.

Gesundheit und Fürsorge

Tansania ist eines der ärmsten Länder der Welt. "Wenn wir von einem der ärmsten Länder sprechen, dann meint das, auch das Bildungs- und Gesundheitssystem ist arm. Und die Menschen, die sind auch arm", so Schwester Thomas.
Viele Menschen können sich die Behandlung in staatlichen Krankenhäusern nicht leisten. Dazu werden Medikamente oftmals unter der Hand verkauft. "Die Korruption ist ein großes Problem hier in Tansania. Zusammen mit der extremen Armut macht das unser Land kaputt." Die Heilig-Geist-Schwestern betreiben in Sanya Juu, im Norden Tansanias, ein Krankenhaus. "In dieses Krankenhaus kommen viele arme Menschen. Aber wer die Behandlung nicht bezahlen kann, den weisen wir nicht ab."

Ein großes Problem ist die HIV-Infektionsrate. Schätzungsweise sieben Prozent der Bevölkerung sind mit HIV infiziert. Neben der Versorgung der Kranken bemühen sich die christlichen Gemeinschaften um Aufklärung und kümmern sich um Waisenkinder - die selbst teilweise schon infiziert sind. "Niemand sonst kümmert sich um diese Kinder. Für sie ist nur die Kirche da." In einem christlichen Waisenhaus in Arusha haben inzwischen über 40 Kinder ein Heim gefunden.

Nicht selbstverständlich ist in Afrika, dass die christlichen Gemeinschaften jeden Kranken behandeln, ob Muslim oder Christ. "Wer krank ist, der ist krank. Wir fragen nicht, wer ist Muslim, wer ist Christ? Wer Hilfe braucht, der bekommt Hilfe", versichert Schwester Thomas. Die religiöse Toleranz ist tief in der Kultur Tansanias verankert. Pater Mosha bestätigt dies: "Wir sind immer tolerant gewesen in Tansania. Ob Christen oder Muslime, das war nie wichtig. Wir haben alle zusammen gelebt." Erst seit einigen Jahren gäbe es eine kleine Gruppe von Fanatikern, die Probleme bereite. Seitdem werden die Niederlassungen von Wächtern beschützt, passiert sei aber noch nichts - "Gott sei Dank", sagt Schwester Thomas.

Bildung rettet

Ein weiterer Schwerpunkt der christlichen Gemeinschaften ist die Bildung. "Die staatlichen Schulen sind ein Witz. Dort fehlen Lehrer, werden Löhne nicht gezahlt, es sitzen bis zu 100 Kinder in einer Klasse - und oft gibt es nicht einmal Kreide", erzählt Mosha.
Daher lege die Apostolische Lebensgemeinschaft der Priester, der Mosha angehört, großen Wert auf Bildung. In einer Grundschule und einem Gymnasium werden Jungen und Mädchen unterrichtet, das Schulgeld dort ist deutlich geringer als in den staatlichen Schulen, für hochbegabte Kinder gebe es Stipendien. Auch hier lernen Kinder von Christen und Muslimen zusammen. "Ohne Bildung kann man unsere Leute nicht retten. Ohne Bildung geht diese Armut weiter - und wer gebildet ist, der fällt nicht so leicht auf die religiösen Fanatiker herein", sagt Pater Mosha.

In einem Studienkolleg werden Schwestern und Laien ausgebildet, die dann in den Gemeinden als Religionslehrer und Katecheten eingesetzt werden. "Das ist wichtig für den interreligiösen Dialog. Wie sollen wir mit anderen über unseren Glauben reden, wenn wir unseren Glauben nicht verstehen?", so Schwester Thomas. Missio unterstützt dieses Projekt schon seit mehreren Jahren. Inzwischen besuchen auch Schwestern aus Kenia, Uganda, Malawi und dem Kongo das Studienkolleg. "Das ist eine Chance für die Schwestern, Theologie zu lernen. Wir können nicht alle Schwestern an die Universitäten in Rom oder Indien schicken."

Noch viel zu tun

Zwar sind die beiden christlichen Gemeinschaften eine große Hilfe für die arme Bevölkerung in Tansania, doch weitere Projekte sind notwendig. Kürzlich konnten die Schwestern einen Operationssaal in ihrem Krankenhaus bauen.
Doch die staatliche Stromversorgung breche immer wieder zusammen, erzählt Schwester Thomas. "Über 20 Stunden sind das Krankenhaus und die Schule teilweise ohne Strom. Wenn in einer Operation oder während der Prüfungszeit in den Schulen der Strom ausfällt, haben wir ein Problem." Geplant ist daher eine Solaranlage, die genug Strom liefert, um die Gebäude der Gemeinschaften zu versorgen.

Auch den Brunnenbau vor Ort möchten die christlichen Gemeinschaften fördern, so Pater Mosha: "Schon jetzt bringen wir den Leuten bei, dass sie das Wasser abkochen sollen, bevor sie es trinken. Aber Wasser ist hier ein Luxusgut. Vor allem die Frauen müssen oft kilometerweit laufen, um Wasser zu holen. Mit anderen Institutionen wollen die mehr Brunnen bauen."

Für die jahrelange Unterstützung sind Thomas und Mosha den Deutschen dankbar: "Als Kinder Tansanias sind wir insbesondere den Deutschen dankbar, denn es kommt viel Hilfe von hier."

Hintergrund
P. Aniceth Mosha ALCP ist Krankenhausseelsorger und priesterlicher Mitarbeiter in der Pfarrei St. Anna Herrschbach. Der 53-Jährige ist seit 1997 in Deutschland.

Sr. Eugenia Thomas OSS ist stellvertretende Leiterin ihrer Gemeinschaft im Mutterhaus in Frankfurt. Sie ist 59 Jahre alt.

Beide gehören dem Opus Spiritus Sancti (Werk des Heiligen Geistes), OSS, an. Die Organisation wurde 1950 vom Limburger Diözesanpriester Bernhard Bendel gegründet und besteht aus fünf Gemeinschaften. Das Apostolat der Gemeinschaften umfasst pastorale, pädagogische, medizinische und soziale Dienste. Mit dem Monat der Weltmission und der weltweiten Kollekte zum Sonntag der Weltmission, in diesem Jahr der 25. Oktober, unterstützt missio karitative und missionarische Projekte in armen Diözesen auf der ganzen Welt. (hm)

 

Weitere Informationen:

Jacqueline Schlesinger
missio-Diözesanreferentin
Tel: 06431/295-417
E-Mail: j.schlesinger(at)bistumlimburg.de